Brandschutzmörtel auf Perlitbasis: Brandschutz für Stahl und Stahlbeton

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Stahl und Stahlbeton brennen nicht, aber sie verlieren im Brandfall ihre Tragfähigkeit. Brandschutzmörtel auf Perlitbasis verlängert die Zeit, in der ein Bauteil trägt, um die geforderte Feuerwiderstandsdauer. Dieser Beitrag erklärt, wie das Material wirkt, wo es eingesetzt wird und wie es sich von Anstrichen und Platten unterscheidet.
Das Wichtigste in Kürze
- Stahl verliert ab etwa 500 Grad Celsius rund die Hälfte seiner Festigkeit. Ungeschützte Stahlträger versagen im Brand innerhalb weniger Minuten.
- Brandschutzmörtel auf Perlitbasis ist ein rein mineralischer Dämmputz, der im Spritzverfahren auf Stahl und Stahlbeton aufgebracht wird.
- Er brennt nicht, tropft nicht brennend ab und erreicht je nach Schichtdicke Feuerwiderstandsklassen bis R 180.
- Bei großen Flächen wie Deckenuntersichten, Trägern und Stützen ist er wirtschaftlicher als dämmschichtbildende Anstriche oder Plattenverkleidungen.
Warum Stahl und Stahlbeton Brandschutz brauchen
Der bauliche Brandschutz verlangt, dass tragende Bauteile im Brandfall ihre Funktion über eine festgelegte Zeit behalten. Diese Zeit, die Feuerwiderstandsdauer, gibt Personen die Möglichkeit, das Gebäude zu verlassen, und der Feuerwehr die Möglichkeit, einzugreifen, bevor das Tragwerk versagt.
Stahl ist nicht brennbar, aber wärmeleitfähig und temperaturempfindlich. Ab etwa 500 Grad Celsius hat er rund die Hälfte seiner Festigkeit verloren. Ein ungeschützter Stahlträger erreicht diese Temperatur in einem Brand innerhalb weniger Minuten.
Stahlbeton ist im Vorteil, weil der Beton die Bewehrung dämmt. Bei geringer Betondeckung, bei dünnen Bauteilen wie Filigrandecken und bei Vorspannstahl reicht dieser Schutz aber oft nicht für die geforderte Dauer. Dann muss nachgerüstet werden.
Die Feuerwiderstandsklassen
Die europäische Klassifizierung nach EN 13501-2 beschreibt die Feuerwiderstandsdauer in Minuten und die Funktion, die erhalten bleibt. R steht für Tragfähigkeit, E für Raumabschluss, I für Wärmedämmung. R 90 bedeutet: Das Bauteil trägt im Normbrand 90 Minuten. REI 90 bedeutet: Es trägt, schließt den Raum ab und dämmt 90 Minuten.
Welche Klasse ein Bauteil erreichen muss, legen das Brandschutzkonzept und die bauordnungsrechtlichen Vorgaben fest, in Österreich auf Basis der OIB-Richtlinie 2. Für Decken, Stützen und Träger in Garagen, Verwaltungsgebäuden und Industriehallen sind R 60 bis R 120 üblich.
Was Brandschutzmörtel auf Perlitbasis ist
Perlit ist ein vulkanisches Glas. Beim Erhitzen bläht es sich auf ein Vielfaches seines Volumens auf und wird zu einem sehr leichten, porösen Granulat. Gebunden mit Zement oder Gips entsteht daraus ein Dämmputz mit geringer Wärmeleitfähigkeit.
Als Brandschutzmörtel wird er im Spritzverfahren auf Stahl- und Stahlbetonbauteile aufgebracht. Die aufgetragene Schicht wirkt im Brandfall wie eine Dämmung: Sie verzögert die Erwärmung des Bauteils darunter und verlängert damit die Zeit bis zum Versagen. Die Schichtdicke bestimmt die erreichbare Feuerwiderstandsdauer und wird nach der Zulassung des Systems festgelegt.
Rein mineralisch, ohne Abtropfen
Der entscheidende Vorteil gegenüber organischen Systemen: Der Mörtel ist rein mineralisch. Er brennt nicht, entwickelt keinen Rauch und tropft im Brandfall nicht brennend ab. Eine Ausbreitung des Brandes über die Beschichtung ist ausgeschlossen. Mehr dazu unter Brandschutz.
Brandschutzmörtel, Brandschutzanstrich oder Platten
Dämmschichtbildende Anstriche
Brandschutzanstriche sind dünn und schäumen im Brandfall auf ein Vielfaches ihrer Dicke auf. Sie eignen sich für sichtbare Stahlbauteile, bei denen das Profil erkennbar bleiben soll. Sie sind empfindlich gegen Feuchtigkeit und mechanische Beschädigung und erreichen meist niedrigere Klassen.
Plattenverkleidungen
Brandschutzplatten aus Gips oder Kalziumsilikat werden um das Bauteil herum montiert. Sie sind robust und sauber, verlangen aber Unterkonstruktion, Zuschnitt und Anschlüsse. Bei komplexen Geometrien, Anschlüssen und großen Deckenflächen werden sie aufwendig.
Brandschutzmörtel
Der Spritzmörtel folgt jeder Geometrie, braucht keine Unterkonstruktion und lässt sich auf großen Flächen schnell auftragen. Er ist unempfindlich gegen Feuchte und erreicht hohe Klassen. Optisch ergibt er eine raue, mineralische Oberfläche, die in Garagen, Technikräumen und Industriehallen kein Nachteil ist.
Einsatzbereiche
- Deckenuntersichten: Filigrandecken, Rippendecken und Decken mit geringer Betondeckung in Garagen, Verwaltungs- und Wohngebäuden.
- Stahlträger und Stützen: in Hallen, Parkhäusern und bei Aufstockungen, wo Stahl nachträglich Brandschutz braucht.
- Tragwerksverstärkungen: Kohlefaserlamellen und geklebte Bewehrung verlieren bei Hitze ihre Wirkung und werden mit Brandschutzmörtel geschützt. Siehe Tragwerksverstärkungen.
- Bestandsgebäude und Denkmäler: überall dort, wo Bauteile nachträglich eine höhere Feuerwiderstandsdauer erreichen müssen.
So läuft eine Brandschutzertüchtigung ab
- Brandschutzkonzept: Die geforderte Feuerwiderstandsklasse je Bauteil wird festgelegt.
- Befund: Bauteil, Betondeckung, Zustand und Untergrund werden erfasst. Geschädigter Beton wird vorher instand gesetzt.
- Untergrundvorbereitung: Reinigung, gegebenenfalls Haftbrücke oder Putzträger.
- Auftrag: Der Mörtel wird im Spritzverfahren in der erforderlichen Schichtdicke aufgebracht, meist in mehreren Lagen.
- Kontrolle: Schichtdicken werden gemessen und dokumentiert, das Bauteil erhält seinen Nachweis.
Beispiel aus der Praxis
In der Rossauer Kaserne in Wien hat SPARTA Bautenschutz eine Filigrandecke statisch instand gesetzt und auf rund 15.000 m² Deckenuntersicht mit Spezialbrandschutzmörtel auf Perlitbasis beschichtet. Die Arbeiten fanden in einem genutzten, denkmalgeschützten Verwaltungsgebäude statt, ohne die historische Substanz zu beeinträchtigen.
Normen, Zulassungen und Nachweise
Brandschutzmörtel werden als Bauprodukt mit einer Zulassung oder Leistungserklärung geführt, die für jedes Bauteil und jede Schichtdicke die erreichbare Feuerwiderstandsklasse nach EN 13501-2 nachweist. Die Prüfung erfolgt im Normbrand nach EN 1363 und EN 1365 an realen Bauteilen.
Für den Nachweis am Gebäude zählt die Dokumentation: das verwendete System, die je Bauteil geplante und gemessene Schichtdicke und die Zuordnung zur geforderten Klasse aus dem Brandschutzkonzept. Diese Unterlagen verlangen Behörde, Brandschutzbeauftragter und Versicherung.
Haltbarkeit und Wartung
Ein mineralischer Brandschutzmörtel altert kaum, solange er trocken und mechanisch unbeschädigt bleibt. Zu prüfen sind Bereiche mit Feuchteeintrag, Anfahrschäden in Garagen und nachträgliche Durchbrüche für Leitungen, die den Brandschutz unterbrechen. Eine Sichtkontrolle im Rahmen der Brandschutzbegehung reicht in der Regel aus, beschädigte Stellen werden lokal nachgespritzt.
Brandschutz und Betoninstandsetzung aus einer Hand
Brandschutzmörtel haftet nur auf tragfähigem Untergrund. Wo Beton abplatzt oder Bewehrung rostet, muss zuerst instand gesetzt werden. Bei SPARTA Bautenschutz kommen beide Leistungen aus einem Betrieb: Befund, Instandsetzung nach Ö-Norm B 4706 und Brandschutzertüchtigung werden gemeinsam geplant und ausgeführt. Das spart Schnittstellen und stellt sicher, dass der Brandschutz auf einer Decke sitzt, die auch trägt. Mehr unter Betoninstandsetzung und Beschichtung.
Häufige Fragen zum Brandschutzmörtel
Was ist Brandschutzmörtel?
Ein mineralischer Dämmputz, meist auf Perlit- oder Vermiculitbasis, der auf Stahl- und Stahlbetonbauteile gespritzt wird und deren Erwärmung im Brandfall verzögert.
Wie dick muss Brandschutzmörtel sein?
Das hängt von der geforderten Feuerwiderstandsklasse, dem Bauteil und der Zulassung des Systems ab. Die Schichtdicke wird geplant, bei der Ausführung gemessen und dokumentiert.
Ist Brandschutzmörtel für Stahlträger geeignet?
Ja. Er ist eines der Standardverfahren für den Brandschutz von Stahlbauteilen und folgt auch komplexen Profilen ohne Unterkonstruktion.
Kann Brandschutzmörtel auf alten Beton aufgebracht werden?
Ja, nach Befund und Untergrundvorbereitung. Geschädigter Beton wird vorher instand gesetzt, damit der Mörtel dauerhaft haftet.
Was unterscheidet Brandschutzmörtel von Brandschutzputz?
Nichts Grundsätzliches. Beide Begriffe bezeichnen mineralische Dämmputze für den Brandschutz. Brandschutzmörtel wird meist für Spritzsysteme verwendet.
Wer führt Brandschutzertüchtigungen in Wien und Niederösterreich aus?
Fachbetriebe für Betoninstandsetzung und Brandschutz wie SPARTA Bautenschutz. Sie verbinden die statische Instandsetzung mit der Brandschutzmaßnahme, sodass Tragwerk und Brandschutz aus einer Hand kommen.
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