Spinnerei Teesdorf

Betonfassadensanierung am Industriedenkmal: SPARTA Bautenschutz hat die Betonfassade der ehemaligen Spinnerei Teesdorf unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Auflagen saniert. Das Hauptgebäude der Baumwollspinnerei, 1906 bis 1910 nach Plänen von Bruno Bauer errichtet, gehört zu den ersten Stahlbetonbauten der Industrie in Österreich.
Das Projekt auf einen Blick
- Objekt ehemalige Baumwollspinnerei Teesdorf, Niederösterreich, Bezirk Baden
- Bauwerk Hauptgebäude mit Wasserturm, errichtet 1906 bis 1910 als früher Stahlbetonskelettbau nach Plänen des Industriearchitekten Bruno Bauer, denkmalgeschützt
- Leistung Betonfassadensanierung unter denkmalpflegerischen Auflagen
- Besonderheit historischer Stahlbeton aus der Frühzeit des Betonbaus, Abstimmung mit der Denkmalpflege
Unsere Projekte
Das Problem: hundert Jahre alter Stahlbeton unter Denkmalschutz
Das Bauwerk: ein Pionierbau des Stahlbetons in Österreich
Die Baumwollspinnerei in Teesdorf wurde 1803 gegründet und hat die Gemeinde über fast zwei Jahrhunderte geprägt. Ihr Hauptgebäude mit dem markanten Wasserturm entstand von 1906 bis 1910 als früher Stahlbetonskelettbau nach Plänen des renommierten Industrieplaners Bruno Bauer.
Es zählt zu den ersten Stahlbetonbauwerken Österreichs und gilt als Beispiel ersten Ranges für die Anfänge des modernen Industriebaus, und damit des modernen Bauens überhaupt, im Land. Die Spinnerei war bis 1993 in Betrieb.
Danach stand das Gebäude leer, bis es als Wahrzeichen von Teesdorf erhalten und von 2013 bis 2016 mit Mitteln der niederösterreichischen Wohnbauförderung und des Bundesdenkmalamts zu einem Wohnhaus mit 69 Wohnungen umgebaut wurde.
Warum früher Stahlbeton anders altert
Stahlbeton aus der Zeit um 1910 unterscheidet sich grundlegend von heutigem Beton. Die Bauweise war jung, Systeme wie jene von Hennebique und Monier hatten sich erst wenige Jahre zuvor verbreitet. Die Betondeckung über der Bewehrung war gering, die Zemente und Zuschläge schwankten in ihrer Qualität, die Bewehrung wurde handwerklich gebogen und verlegt.
Nach über hundert Jahren zeigen solche Fassaden Karbonatisierung bis zur Bewehrung, korrodierende Stahleinlagen, Abplatzungen und Risse. Zugleich ist genau dieser frühe Stahlbeton das, was das Gebäude denkmalwürdig macht. Er darf nicht einfach überdeckt oder ersetzt werden.
Die Anforderung der Denkmalpflege
Die denkmalpflegerischen Auflagen verlangen, dass Gliederung, Oberflächen und Erscheinungsbild der Fassade erhalten bleiben. Materialien, Oberflächen und Farbtöne müssen mit der Denkmalpflege abgestimmt werden, Eingriffe in die Substanz sind auf das Notwendige zu beschränken. Standardlösungen wie ein Wärmedämmverbundsystem scheiden damit aus. Gleichzeitig muss die Instandsetzung den technischen Normen folgen, damit der Schutz der Bewehrung dauerhaft wirkt.
Die Aufgabe: hundert Jahre alten Stahlbeton sanieren, ohne das Denkmal zu verändern
Gesucht war eine Betonfassadensanierung, die die Substanz des Pionierbaus sichert, die Bewehrung schützt und die Oberfläche im Sinne der Denkmalpflege behandelt.
Die Lösung: Betoninstandsetzung nach Norm, abgestimmt mit der Denkmalpflege
Befundaufnahme am historischen Beton
SPARTA Bautenschutz hat die Betonfassade unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Auflagen instand gesetzt, eine Betonsanierung nach Norm mit denkmalgerechter Oberfläche.
Grundlage ist der bewährte Ablauf der Betonfassadensanierung, der bei historischem Beton mit einer besonders sorgfältigen Befundaufnahme beginnt: Wo liegt die Bewehrung, wie tief ist der Beton karbonatisiert, wo sind Hohlstellen, welche Bauteile sind original und welche stammen aus späteren Umbauten. Erst dieser Befund legt fest, welche Bereiche instand gesetzt und welche nur geschützt werden.
Instandsetzung mit Rücksicht auf die Substanz
Reinigung und Untergrundvorbereitung erfolgen so schonend, dass die historische Oberfläche erhalten bleibt. Abplatzungen und Risse werden nach den geltenden Normen und Richtlinien für die Instandsetzung von Betonbauwerken behoben, die Bewehrung wird entrostet und geschützt, der Querschnitt mit Instandsetzungsmörtel wiederhergestellt, der in Struktur und Farbe auf den Bestand abgestimmt ist.
Jeder Schritt wurde so gewählt, dass die Substanz des Pionierbaus erhalten bleibt.
Oberflächenbehandlung im Sinne der Denkmalpflege
Den Abschluss bildet eine Oberflächenbehandlung, die auf das historische Erscheinungsbild abgestimmt ist und den Beton zugleich gegen Wasser und Kohlendioxid schützt. Farbton und Struktur werden bei denkmalgeschützten Objekten anhand von Musterflächen mit der Denkmalpflege abgestimmt. Mehr zur Methode unter Fassadensanierung und Betoninstandsetzung und Beschichtung.
Das Ergebnis: ein Industriedenkmal mit gesicherter Fassade
Substanz gesichert, Erscheinungsbild gewahrt
Die Betonfassade der Spinnerei Teesdorf ist instand gesetzt und geschützt. Das Erscheinungsbild des Baudenkmals bleibt gewahrt, die Bausubstanz ist für die weitere Nutzung des Gebäudes gesichert. Für die Eigentümer bedeutet das eine Fassade, die künftig mit Sichtkontrollen und der Erneuerung der Oberflächenbehandlung gepflegt werden kann, ohne erneut in die Substanz einzugreifen.
Was dieses Projekt für Eigentümer historischer Betonbauten zeigt
Auch der früheste Stahlbeton lässt sich fachgerecht instand setzen, wenn Befund, Instandsetzungssystem und Oberfläche auf das Bauwerk abgestimmt und mit der Denkmalpflege abgesprochen sind. Niederösterreich und Wien besitzen zahlreiche Industriebauten und Wohnbauten aus der Frühzeit des Stahlbetons, die heute vor derselben Aufgabe stehen. SPARTA Bautenschutz hat diese Erfahrung auch an der denkmalgeschützten Fassade von PhilsPlace in Wien eingebracht.
Sie verwalten ein historisches Gebäude mit Betonfassade? Kontaktieren Sie uns für eine Bestandsaufnahme.
Häufige Fragen zur Sanierung historischer Betonfassaden
Antworten auf die Fragen, die uns Auftraggeber zu diesem Thema am häufigsten stellen.
Was ist bei Stahlbeton aus der Zeit um 1910 anders?
Die Betondeckung über der Bewehrung ist meist gering, die Betonqualität schwankt, und die Bewehrung ist oft nicht wie heute üblich ausgeführt. Deshalb ist eine sorgfältige Befundaufnahme vor der Instandsetzung Pflicht.
Was bedeuten denkmalpflegerische Auflagen für die Sanierung?
Materialien, Oberflächen und Farbtöne müssen mit der Denkmalpflege abgestimmt werden, Eingriffe in die Substanz sind auf das Notwendige zu beschränken. Die Instandsetzung folgt trotzdem den technischen Normen, damit der Schutz der Bewehrung dauerhaft wirkt.
Kann historischer Beton überhaupt beschichtet werden?
Ja, mit Systemen, die diffusionsoffen sind und die Oberflächenstruktur nicht überdecken. Farbton und Struktur werden anhand von Musterflächen mit der Denkmalpflege freigegeben.
Wer entscheidet über die Sanierung eines Baudenkmals?
Das Bundesdenkmalamt genehmigt Eingriffe an geschützten Objekten. Das ausführende Unternehmen stimmt Befund, Verfahren und Materialien vorab mit der Behörde und dem Eigentümer ab.
Wie unterscheidet sich die Sanierung eines Industriedenkmals von der eines Wohnhauses?
Technisch kaum, die Schadensmechanismen sind dieselben. Der Unterschied liegt in den Auflagen: Bei einem Denkmal bestimmen Erscheinungsbild und Substanzerhalt die Wahl der Verfahren, bei einem gewöhnlichen Wohnhaus vor allem Kosten und Dauerhaftigkeit.
Übernimmt SPARTA Bautenschutz auch Sanierungen in Niederösterreich?
Ja. SPARTA Bautenschutz hat seinen Sitz in Enzesfeld-Lindabrunn im Bezirk Baden und arbeitet in Wien und Niederösterreich.
Glossar
Die wichtigsten Fachbegriffe aus diesem Projekt, kurz erklärt.
- Stahlbetonskelettbau Bauweise, bei der ein Tragwerk aus Stützen und Trägern aus Stahlbeton die Lasten trägt und die Wände nur ausfachen.
- Betondeckung Abstand zwischen Betonoberfläche und Bewehrung, bei historischem Beton oft nur wenige Millimeter.
- Karbonatisierung Reaktion von Kohlendioxid mit dem Beton, die dessen Alkalität senkt und die Bewehrung ungeschützt lässt.
- Denkmalpflegerische Auflagen Vorgaben des Bundesdenkmalamts zu Materialien, Oberflächen und Eingriffen an einem geschützten Bauwerk.
- Musterfläche Probefläche, an der Verfahren und Oberfläche vor der Ausführung geprüft und freigegeben werden.
- Industriedenkmal Geschütztes Bauwerk der Industriegeschichte, hier eines der ersten Stahlbetonbauwerke Österreichs.
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